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WISSENSWERTES UEBER LEHM - EIN URSPRUENGLISCHES UND NATUERLICHES BAUPRODUKT
Viele von uns versuchen glücklicher zu werden durch natürlicher zu Leben. Wir können biologische Nahrung kaufen oder einen Spaziergang am Strand oder in den Wäldern machen. Aber sogar in diesem Falle leben wir normalerweise in Häuser aus künstlich produzierten Materialien, die schädliche Stoffe enthalten können. Wir mögen dies nicht, aber was können wir tun? Es ist wirklich nicht einfach. Es ist nicht mal erlaubt sein Haus in Einklang mit den eigenen Ideen zu bauen. Es gibt Gesetze und Behörden die ihre Einwilligung geben müssen bevor das Haus gebaut werden kann. In der Vergangenheit war es ganz normal ein Haus aus natürlichen Materialien zu bauen wie Lehm, Holz und Schilf. Holz und Schilf werden immer noch im Hausbau verwendet. Nur noch wenige Menschen sind mit Lehm vertraut. In dieser Broschüre wollen wir Sie ein bischen vertrauter mit dem Material Lehm machen.
LEHMBAUTEN IN DER VERGANGENHEIT UND GEGENWARTMenschen haben immer Häuser aus Lehm gebaut. Es ist natürlich um Materialen die in der Umgebung verfügbar sind zu verwenden. Es sind keine Kosten damit verbunden, außer die Kreativität und Anstrengung die Sie investieren. In waldreichen Gegenden haben die Menschen seit dem Altertum Ihre Häuser aus Baumstämmen gebaut. In Gegenden mit weniger Bäumen gebrauchten die Menschen dafür mehr Lehm. Der einfachste Weg zu bauen ist es eine Hütte über eine Vertiefung im Boden zu errichten. Über diese Vertiefung kann man ein Dach aus Baumstämmen, Rasen und Schilf oder Stroh errichten. In warmen und trockenen Gegenden bauten und bauen die Menschen Häuser aus Lehm in allen möglichen Formen. Vor ungefähr fünftausend Jahren bauten die Menschen im alten Sumeria Häuser mit luftgetrockneten Lehmziegeln. In den Niederlanden wurden große Bauernhäuser schon vor beinahe 7000 Jahre mit Lehm gebaut. Die älteste Siedlung in Holland wurde entlang der Maas im Süden des Landes gegründet. Die Menschen der sogenannten „Bandceramiekers“ rammten Eichenpfähle in die Erde, fixierten ein Dach auf den oberen Ende der Pfähle und bauten Wände aus geflochtenen Zweigen die mit einer Schicht Lehm verputzt wurden. Das größte Haus das gefunden wurde hatte eine Länge von ca. 30 Meter. Der Lehm wurde aus Gruben, die neben dem Haus gegraben wurden, entnommen. Auf die gleiche Art wurden die Häuser im späten Steinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit gebaut. Erst als die Römer in die Niederlande kamen, begannen die Menschen ihre Häuser in Stein zu bauen. Die Sachsen bauten ihre Bauernhöfe wieder aus Lehm. In den Städten war die Gefahr von Feuer groß, so wurden schließlich beinahe alle Häuser aus Stein gebaut. Auf dem Land blieb Lehm immer ein sehr viel verwendetes Baumaterial.
Detail von einem holländischen Bauernhof im Freiluftmuseum in Arnhem. Fundierung aus Findlingen. Eichenbalken mit Wänden aus geflochtenen Weidenzweigen die mit einer Schicht Lehm verputzt sind. In Frankreich gibt es Häuser aus Stampflehmwänden. Diese Häuser sind seit über 300 Jahre bewohnt. In Deutschland stehen Häuser mit einer Höhe von sechs Geschossen, deren Wänden ausschließlich aus Lehm bestehen. Diese Häuser wurden am Beginn des 19ten Jahrhundert gebaut. Viele Bewohner dieser mehrgeschossigen Bauten wissen nicht einmal dass sie in einem Haus aus Lehmwänden leben. In Holland wurden in letzter Zeit wenige Bauten mit Lehm gebaut. Dennoch ist es sehr wohl möglich Häuser aus Lehm zu bauen. Um die äußeren Mauern gegen Regen zu schützen ist ein guter Verputz notwendig. Der Rand des Daches soll weit genug überstehen. Das Material ist sehr gut geeignet um selbst am Bau des Hauses mitzuwirken. Das Wissen über Lehmbau ist sehr stark in Vergessenheit geraten. Nur wenige Architekten und Bauunternehmer wissen noch wie man mit Lehm baut. Es gibt jedoch eine große Befriedigung in einem mit Lehm und anderen natürlichen Produkten gebauten Haus zu leben, speziell wenn man selbst am Bau beteiligt war. Das Material ist nicht teurer als gebräuchliche Baustoffe. Man muss jedoch zusätzliche Stunden in den Bau investieren. Durch Mithilfe beim Errichten des Hauses kann man sich bezahlte Arbeitsstunden ersparen. Damit bekommt man ein schönes Eigenheim zu einen normalen Preis. Im Inneren des Hauses kann man durch Verputzen der Wände mit Erdputz das Klima verbessern und die Lebensfreude vergrößern. Innenwände können relativ leicht aus Lehmsteinen oder mit Lehm verputzen Weidengeflecht hergestellt werden. Man kann auch die Böden aus Lehm herstellen, in der Vergangenheit hatten viele Bauernhäuser Lehmböden. In Ländern wie Amerika, Australien und Österreich haben einige Baumeister schon mehr Erfahrung mit Strohballenbau in Kombination mit Lehm. Wände werden aus Strohballen errichtet und es wird an beiden Seiten ein Verputz aus Lehm, Kalk oder eine Kombination von diesen beiden aufgebracht. Diese Form des Bauens scheint vielversprechend, findet aber in Holland noch selten Anwendung.
DER URSPRUNG VON LEHMDie Lehmvorkommen in der Natur sind ein Verwitterungsprodukt von Steinschichten der Erde. Die Kräfte der Natur wie Sonne, Wind, Wasser und Eis bringen die Berge, Felsen und Steine allmählich zur Verwitterung. Steine werden zu Kieselsteine und Kieselsteine werden zu Sandkörner. Die Partikel werden kleiner und kleiner. Die kleinsten Partikel bilden das, was wir Ton nennen. Tonpartikel sind kleiner als 0,002 mm. Es gibt einige Arten von Lehm, abhängig wie sie entstanden sind. Berglehm wird unterhalb des Berges an Hängen durch Verwitterung von Steinen geformt. Eine andere Art von Lehm („keileem“ in Holland, „Geschiebelehm“ in Deutsch) ist eine Ablagerung der Eiszeit. Gewöhnlich enthält Lehm auch Kalk. Mergellehm ist eine Art Lehm der viel Kalk enthält. Mergel ist für den Lehmbau nicht geeignet. Es gibt auch einige Arten von Sedimentationslehm. Kleine Partikel sinken in das Wasser von Flüssen und Seen. Oft enthält der Ton oder Lehm viele organische Partikel. Löss ist feinkörniger Lehm der sich durch Sandstürme der jüngsten Eiszeit gebildet hat. Löss enthält kleine Mengen Ton und hat keine hohe Bindekraft.
ZUSAMMENSETZUNG VON LEHMLehm ist eigentlich eine Mischung aus größeren und kleineren Partikeln. Die Menge an Ton bestimmt die Bindequalität des Lehms. Ton ist der Kleber, der Rest ist Füllkomponente. Tonpartikel sind kleiner als 0,002 mm. Enthält der Lehm mehr als 14% Ton, dann wird dieser Lehm als zu fett bezeichnet. Dieser Lehm kann mit Sand abgemagert werden. Schluffpartikel haben eine Größe zwischen Ton und Sand. Schluff ist dem Ton ähnlich, hat aber nicht dieselbe Bindequalität. Sandkörner haben einen Durchmesser von 0,06 bis 2 mm. Ab und zu sind Kiesel im Lehm. Kieselsteine haben eine Größe von 2 bis 60 mm.
LEHMSTEINESeit ältester Zeit machen Menschen Ziegel aus Lehm die in der Sonne getrocknet werden. In warmen Ländern wird dies noch immer auf die selbe Weise durchgeführt. Normalerweise werden dem Lehm Zusätze wie Stroh oder Kuhmist beigemischt um die Ziegelsteine stärker und widerstandsfähiger gegen Wasser zu machen. Solche Steine wurden in Formen gestampft und aus den getrockneten Steinen wurden Wände mit einem Kalk- oder Lehmmörtel gemauert.
Lehmsteine (Größe 22 x 11 x 11 cm). Die Steine kommen gerade aus der Form. Produziert (in kleinen Mengen) von Natural Homes. Eine andere Methode ist, feuchte Lehmbrote aufeinander zu legen und so zu einer Wand zu formen. Für diese Methode braucht man keinen Mörtel.
STAMFLEHMDie Methode von gestampften Lehm wurde ursprünglich für die Errichtung der Chinesischen Mauer angewandt. In einer Schalung wird ein gemischter Lehm mit Zuschlägen gestampft. Oft werden auch einige Prozent Zement dazugegeben. Die Wand wird sehr solid und hart. Dieser Prozess nimmt einige Zeit in Anspruch. Eine gestampfte Lehmwand braucht keinen Verputz.
LEHM AUF EINEM FLECHTWERKEine Wand ist aus horizontalen und vertikalen Holzbalken aufgebaut. Ein Flechtwerk aus Zweigen wird zwischen den Balken verflochten. Häufig werden auch Weidenzweige dafür verwendet. Auf und in dieses Geflecht wird eine Schicht Lehm aufgebracht.
Deutsche Fachwerkbau STROHBALLENBAUStrohballen sind eine ziemlich neue Erfindung. Es gibt Häuser aus Strohballen die in 1914 errichtet wurden und noch in einem guten Zustand sind. Die einfachste Art mit Strohballen zu bauen ist es das Dach auf den Strohwänden, die mit Schichten von Lehmmörtel zusammengehalten werden, aufliegen zu lassen. Solche Wände müssen verputzt werden und brauchen ein gutes Fundament aus Ziegeln, Beton oder Steinen. Diese Konstruktionsart ist möglich wenn das Haus nicht zu hoch ist. Für höhere Bauten ist eine lastabtragende Struktur notwendig, um die oberen Geschosse und das Dach zu tragen. Ein Fachwerk aus Holz ist dafür gut geeignet. Bauten mit Strohballen ergeben sehr schöne Häuser mit starken Wänden.
VORTEILE: LEHM REGULIERT DIE LUFTFEUCHTIGKEITLehm ist ein Baumaterial das sehr viel Wasser aufnehmen kann. Zum Beispiel in einem feuchten Raum können die äußeren Schichten einer Lehmwand ca. 300 Gramm Wasser pro Quadratmeter in 48 Stunden aufnehmen. Wenn der Raum dann noch feucht ist, können die Wände noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen, da das Wasser tiefer in die Wand eindringen kann. Wenn die Feuchtigkeit nachlässt gibt die Wand die Feuchtigkeit wieder ab. Auf diese Weise regulieren Lehmwände die Luftfeuchtigkeit in einem Haus. In Deutschland wurde in einem Haus aus Lehmwänden die Luftfeuchtigkeit über einen Zeitraum von fünf Jahren gemessen. Die Durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit lag bei ca. 50% mit einem Abweichung von max. 5%. Eine Luftfeuchtigkeit von 50% ist sehr ideal für ein Wohnhaus. Untersuchungen an der Universität Kassel in Deutschland zeigen, dass Lehmziegel unter bestimmten Umständen 30 mal mehr Feuchtigkeit aufnehmen können als gebrannte Ziegel.
VORTEILE: LEHM IST VOLLKOMMEN NATÜRLICHLehm ist ein Produkt der Natur und man kann ihn (beinahe) überall finden. Dies garantiert daß die Kosten des Transportes niedrig sind. Wenn man Lehm zum Bauen verwendet, braucht man sehr wenig Energie für den Herstellungsvorgang. Wenn nach einigen Generationen dein Haus baufällig geworden ist, können deine Enkel und Urenkel das Material wiederverwenden oder sie bringen es zurück in den Garten. Nichts geht verloren und während des gesamten Prozesses entsteht kein Abfall. Lehm hat auch die Eigenschaft um Feuchtigkeit aus dem Holz zu ziehen, wenn es unmittelbar angrenzt. Das bedeutet das man dieses Holz nicht oder fast nicht gegen Fäulnis behandeln muss. Die Kombination von Lehm, Holz und Stroh gibt ein sicheres Gefühl. Man wird in einem Haus leben, indem man sich sicher und angenehm fühlt.
VORTEIL ODER NACHTEIL: BAUEN ABHÄNGIG VON DER JAHRESZEITWird eine Wand aus Lehm errichtet, muss sie trocken sein bevor der Putz aufgetragen werden kann. Dieses Trockenen kann einige Monate dauern und sollte im Sommer stattfinden. Das bedeutet dass das Bauen mit Lehm im Winter vorbereitet werden muss sodass im Frühling und Sommer gebaut werden kann. Strohballen dürfen nicht nass werden. Es ist eine gute Entscheidung zuerst die Fundierung zu machen, dann das Fachwerk und das Dach, so kann man die Wände von Stroh und Lehm im Trockenen errichten. Im Herbst, bevor es zu frieren beginnt, können diese Wände verputzt werden.
NACHTEIL: LEHM MUSS GEGEN WASSER GESCHÜTZT WERDENEine Wand aus Lehm ist sehr gut im Stande Wasserdampf aufzunehmen, kann aber dem Regen oder laufendem Wasser nicht standhalten. Das bedeutet dass man die Außenseite der Wände sehr gut schützen muss. In armen und heißen Ländern reparieren die Menschen ihre Häuser wenn die Regenzeit vorüber ist. In einem feuchten Land wie Holland, kann das Problem mit einem Vordach und durch verputzen der Wände mit einem wasserfesten Putz, zum Beispiel mit Kalk, gelöst werden. Die Lehmwand kann auch mit einer Holzverkleidung geschützt werden.
NACHTEIL: LEHMBAU HAT WENIG TRADITIONEs ist nicht leicht einen Architekten oder Bauunternehmer zu finden der genug Wissen über Lehmbau hat. Man muss sich selbst um Informationen und Erfahrungen bemühen. Manchmal ist es schwieriger eine Baubewilligung zu bekommen da die Behörden wenig über das Bauen mit Lehm wissen. Man kann teilweise diese Schwierigkeiten überwinden wenn man für das Lehmhaus eine übliche Fundierung herstellt und darauf ein Holzfachwerk für die Lastabtragung stellt. Praktisch jeder Baumeister bzw. Zimmermeister kann diese ersten Baustufen durchführen. Dann kann man das Holz-Fachwerk mit Lehm, Holz, Stroh und Kalk ausfachen. Diese Tätigkeiten sind für Eigenleistungen sehr gut geeignet.
LITERATURLISTEBloemers, J.H.F.; Louwe Kooijmans, L.P.; Sarfatij, H. – VERLEDEN LAND: ARCHEOLOGISCHE OPGRAVINGEN IN NEDERLAND. 1981, Meulenhoff Informatief, Amsterdam. ISBN 90 290 9992 5 Überblick über archeologische Funde in Holland.
Cichy, Bodo – BOUWKUNST DER OUDHEID. 1971, N. Kluwer N.V., Deventer. Beschreibung der Baukunst in Mesopotamien, Ägypten, der Indus-Kultur, megalithische Bauten, in hetitischen, minoischen, etruskischen und altamerkanischen Kulturen
Lacinsky, Paul and Bergeron, Michel – SERIOUS STRAW BALE. A HOME CONSTRUCTION GUIDE FOR ALL CLIMATES. 2000, Chelsea Green Publishing Company, White River Junction, Vermont/Totnes, England. ISBN 1-890132-64-0 Eine Art Handbuch mit einer großen Anzahl an Information, Photos und Beispielen, Zeichnungen von Konstruktionsdetails. Hauptsächlich basierend auf amerikanischen Erfahrungen
Minke, Gernot – LEHMBAU-HANDBUCH: DER BAUSTOFF LEHM UND SEINE ANWENDUNG. 1999, Oekobuch Verlag, Staufen bei Freiburg. ISBN 3-922964-56-7 Umfangreiches deutschsprachiges Handbuch. Detailierte technische Informationen über das Bauen mit Lehm. Beschreibung einiger Baumethoden
Steen, Athena and Bill – THE BEAUTY OF STRAW BALE HOME. 2000, Chelsea Green Publishing Company, White River Junction, Vermont/Totnes, England. ISBN 1-890132-77-2 Buch mit schönen Photos vieler Beispiele von Häusern aus Strohballen. Nicht so viele technische Beschreibungen. Einige Rezepte für Farben und Putze sind enthalten.
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